Minnesold (Andere Gedichte)
Minnesold. (Frühling 1773.) Wem der Minne Dienst gelinget, O wie hoch wird der belohnt! Keinen bessern Lohn erringet, Wer dem grössten Kaiser frohnt.
Denn mit Zepter, Kron’ und Gold Frohnt er selbst um Minnesold. Was sind Gold und Edelsteine? Was des Moguls Perlenpracht? Minnesold ist doch alleine,
Was auch reich die Herzen macht. Perlen, Edelstein und Gold Nähm’ ich nicht für Minnesold. Minnesold lässt Amt und Ehren, Goldnen Sporn und Ritterschlag,
Lässt uns ohne Neid entbehren, Was der Kaiser geben mag. Ehre lacht nicht halb so hold, Als der Minne Freudensold. Nirgends labet wohl hienieden
Noch ein Wohlgenuss so süss. Süsseres ist nur beschieden Seligen im Paradies. Süss ist, was die Biene zollt, Süsser dennoch Minnesold.
Minnesold ist aller Freuden, Aller Freuden Mark und Saft; Minnesold hat aller Leiden, Aller Leiden Heilungskraft. Was der Balsamstaud’ entrollt
Heilet nicht wie Minnesold. Minnesold lehrt frei verachten Aller Fährlichkeiten Not, Flammen, Wasserfluten, Schlachten, Lehrt verschmähen jeden Tod.
Stürb’ ich nicht für Ruhm und Gold, Stürb’ ich doch für Minnesold! Gottfr. Aug. Bürger.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:29 von 2rhyme
Autor: Gottfried August Bürger
Quelle: de.wikisource.org
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