MIr grauet vor mir selbst / mir zittern alle Glieder
Wenn ich die Lipp’ vnd Naß’ vnd beyder Augen Klufft /
Die blind vom wachen sind / deß Athems schwere Luft
Betracht’ / vnd die nun schon erstorbnen Augen-Lieder.
Die Zunge / schwartz vom Brand fällt mit den Worten nieder /
Vnd lalt ich weiß nicht was; die müde Seele rufft /
Dem grossen Tröster zu / das Fleisch reucht nach der Grufft /
Die Aertzte lassen mich / die Schmertzen kommen wieder /
Mein Cörper ist nicht mehr als Adern / Fell’ / vnd Bein.
Das sitzen ist mein Tod / das liegen meine Pein.
Die Schenckel haben selbst nun Träger wol von nöthen!
Was ist der hohe Ruhm / vnd Jugend / Ehr vnd Kunst?
Wenn diese Stunde kompt: wird alles Rauch vnd Dunst.
Vnd eine Noth muß vns mit allem Vorsatz tödten.
Eingetragen am
08.11.2011 09:33:01 von
2rhyme
Autor:
Andreas Gryphius
Quelle:
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