Neuer Lenz (Andere Gedichte)
Neuer Lenz. Lenz, kamst du wieder frisch und mild, Vom Sturm in’s Land getragen, Und mit dir manch vergess’nes Bild Aus fernen Jugendtagen?
Einst wie ein unbegreiflich Leid Im Schimmer sel’ger Thränen, Ein Ahnen von Unsterblichkeit, Ein sanftes Todessehnen. – Heut’ grüß’ ich wie die Lerche dich
Aus jubelheller Kehle, Verstehe dich herzinniglich, Du Bruder meiner Seele! Urkräftig weht mir durch die Brust Dein blüthenfrohes Walten, –
Ein derber Drang nach Erdenluft Und eigenem[1] Gestalten. Am Ende komme, was da mag! Jetzt frommt uns Kampf und Kosen. Du Lenz entschwindest wie ein Tag, –
Und dennoch streu’st du Rosen. |