Tragische Erscheinung (Andere Gedichte)
Tragische Erscheinung. In einer Wüste lagen viele Menschen, die fast verschmachteten; sie wimmerten. Ein schönes Mädchen nur, mit hilflos braunen Augen,
litt stumm den Durst; denn gieriger als der Durst brannte ihr seliges Mitleid ... Da trat, vom glühenden Horizont herwachsend, ein fremder Mann vor dieses Volk; der hob den Zeigefinger ihnen dar.
Aus der gereckten, zitternden Spitze quoll ein großer Tropfen Blut quoll, hing, und fiel, fiel in den Sand; verwundert sah das Volk den fremden Mann. Der stand und stand, Tropfen auf Tropfen fiel
aus seinem Finger in den Sand; und immer, wenn die rote Quelle troff, erbleichte schauernd Er, sie aber staunten, und Einige ächzten: er verhöhnt uns ... Da schrie er laut mit seiner letzten Glut:
So kommt doch, trinkt! für Euch verblut’ich mich! Doch jenes Mädchen sprach, indeß er hinlosch: Sie wollen Wasser ...
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:09 von 2rhyme
Autor: Richard Dehmel
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