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Versöhnung (Hertz) (Andere Gedichte)

Versöhnung.

O laß mich stehn an deinem Grabe!
     Ach, nicht das Grab ist’s, das uns schied,
Du bist’s, die ich geliebet habe,
     Und die so bitter mich verrieth.

Du bist dahin. – Dir sei vergeben,

     Warst du doch einstens all’ mein Glück!
Die ich verlor im wilden Leben,
     Giebt mir der sanfte Tod zurück.

Wie oft ein Hauch verklung’ner Lieder

     Uns plötzlich durch die Seele wallt,

So schau’ ich nun dein Antlitz wieder
     Und deine liebliche Gestalt.
Doch wird dein Lächeln trüb’ und trüber,
     Dein schelmisch Auge thränenschwer,

Du reichst wie einst die Hand herüber,

     Und fragst mich: Liebst du mich nicht mehr?

Da kommen all’ die sel’gen Tage,
     Sie flehen, ach, so süß für dich.
Ich seh’ dich steh’n in stummer Klage

     Und seh’ dich weinen bitterlich.

Wie mich dein leichter Sinn betrübe,
     Gewiß, du warst dir’s nicht bewußt. –
So drück’ ich dich in alter Liebe
     Und fest und ewig an die Brust!



Eingetragen am 08.11.2011 09:35:21 von 2rhyme
Autor: Wilhelm Hertz
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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