An Madame Karschin bey Übersendung eines Blumenstrausses am 1. Dezember 1789 (Andere Gedichte)
An Madame Karschinn, bey der Übersendung eines Blumenstrausses, am ersten December 1789. Liebste Karschinn, nimm den Morgengruß Und den Blumenstrauß an deinem ersten Tage Von mir an, nebst einem warmen Kuß. Sey so glücklich, wie die falsche Sage
Oft den Erdenherrscher nennt, Der an goldnem Tisch, in purpurnem Gewande, Die Zufriedenheit von deinem Mittelstande Nicht, noch deines Herzens süßen Frieden kennt. Schau’ im Winter deines Lebens
Heiter dich in Gottes Schöpfung um. Voll des nimmer satten Strebens Wird zur Hölle selbst Elysium; Aber tausendfach genießet, Wer das Leben weislich sich versüßet. –
Auch für uns schuf die Natur Blumen auf der Wiesenflur. Diese sind für dich im Garten aufgeblühet, Und zum frischen Sträußchen band Sie die Freundschaft dir durch meine Hand.
Wie der Fleiß des Gärtners sie durch Kunst erziehet Unter Schneegestöber, unter Eis, So laß uns, nach seinem Beyspiel, gleichen Fleiß Auf des Lebens Dornenpfade wenden, Und mit nimmer müden Händen
Blümchen für uns pflücken, klein zwar, aber schön, Und den Dornen munter aus dem Wege gehn. Pflücke sie, Geliebte! viele Jahre Und bekränze dich auch noch im Silberhaare.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:00 von 2rhyme
Autor: Susanne von Bandemer
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org
|