Gebadet in des Meeres blauer Flut (Büchner) (Andere Gedichte)
1. Jugendverse.[1] Der besten Mutter. Gebadet in des Meeres blauer Fluth Erhebt aus purpurrothem Osten sich Das prächtig-strahlende Gestirn des Tags, Erweckt, gleich einem mächt’gen Zauberwort,
Das Leben der entschlafenen Natur, Von der der Nebel wie ein Opferrauch Empor zum unermess’nen Aether steigt. Der Berge Zinnen brennen in dem Strahl Vor welchem, wie vom flammenden Altar,
Der Rauch des finstren Waldgebirges wallt – Und fernhin in des Ocean’s Fluthen weicht Die Nacht. So stieg auch uns ein schöner Tag Vom Aether, der noch oft mit frohem Strahl Im leichten Tanz der Horen grüßen mag
Den frohen Kreis, der den Allmächt’gen heut Mit lautem Danke preist, da gnädig er, Uns wieder feiern läßt den schönen Tag, Der uns die beste aller Mütter gab. Auch heute wieder in der üppigsten
Gesundheit, Jugend-Fülle, steht sie froh Im frohen Kreis der Kinder, denen sie Voll zarter Mutterlieb’ ihr Leben weiht. O! stieg noch oft der Liebe Genius An diesem schönen Tag zu uns herab
Ihn schmückend mit dem holden Blumenpaar Der Kinderliebe und der Zärtlichkeit! – - ? Diese Jugendgedichte Büchner’s, wohl sämmtlich 1828, also in seinem fünfzehnten Jahre, entstanden, erscheinen hier zum ersten Male aus dem Original-Manuscript abgedruckt. – Die Zusatzstrophe zu dem Gedichte „Die Nacht“ hat Büchner 1835 flüchtig an den Rand des Papiers hingeschrieben. F.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:59 von 2rhyme
Autor: Georg Büchner
Quelle: de.wikisource.org
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