Im Morgenrot (Andere Gedichte)
Im Morgenrot Faß fest dein Roß am Zügel, Der Morgen ist erwacht! Stumm hinter jenem Hügel Entgleitet schon die Nacht.
Sie läßt noch einmal dunkel Die blauen Schleier wehn – Bald wird des Tags Gefunkel In Blut und Rosen stehn. Wem pflücke ich die Blüten,
Die mir der Tag verspricht? O mag uns Gott behüten Vor allzuvielem Licht! Dies Herz, dem Feind geboten, Dies Herz kennt keinen Tod –
Da es in ewig roten Unendlichkeiten loht. Mein Mädchen, denkst du deines Freundes in der Schlacht? Dein wildes Herz, o wein es
Verzweifelt in die Nacht. Die Tränen werden regnen Und trommeln auf mein Zelt. Ich will den Frieden segnen, Der bei dir Wache hält ...
Noch glühen allenthalben Die Rosen rot und tief! Noch flattern hoch die Schwalben, Da kein Gewitter rief. Wir jubeln und wir hoffen
Und haben festen Stand – Weit steht der Himmel offen: Freiheit und Vaterland!
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:06 von 2rhyme
Autor: Klabund
Quelle: de.wikisource.org
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