Der Schnellläufer (Andere Gedichte)
Wenn hell ich der Trompete Schall Durch’s Städtlein klingen lasse, Wie treibt es die Philister all’ Heraus auf Platz und Straße.
Ich lauf’ das Stadtthor aus und ein Flott über Stein und Pfütze, Und manches blanke Kreuzerlein Fliegt da in meine Mütze. Schnellläufer bin ich fünfzig Jahr’,
Ich lief durch alle Lande, Und so wie fern im Süden, war Ich auch am Nordseestrande. – Ob Republik, ob Monarchie Ob Heiden oder Christen –
Mich kümmerte die Menschheit nie Mit allen ihren Zwisten. Mit rothem Wamse angethan, Wo ich nur mag erscheinen, Bin ich ein angeseh’ner Mann
Von Großen und von Kleinen. Mich schert nicht Weib, nicht Hof und Haus, Nicht Kinder und Gesinde, Ich laufe lustig ein und aus, Und ziehe mit dem Winde.
Und wolltet Ihr mit Gold und Gut Mir meine Ruhe lohnen, Ich trüg’ es nicht, mit stillem Blut An festem Sitz zu wohnen. Schnellläufer bleib’ ich – lebet Ihr
In Bürgerglück und Tugend! – Und wo ich laufe, folget mir Das höchste Glück – die Jugend.
v. Miris.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:21 von 2rhyme
Autor: Franz Bonn
Quelle: de.wikisource.org
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