Kino (Andere Gedichte)
Kino Wird Gustav, der Kommis, entlassen? Seit einer halben Stunde weiß ichs nicht … Die greise Mutter löffelt, was sie kriegt, aus dicken Untertassen.
Nun kommt der Chef! Mit schüttern Bartkoteletten und einem Mimenmund und uhrgeschmücktem Bauch … Dumpf buchstabiert das Publikum: „Nee – ü-ber – Ihnen – a-ber – auch… “ Da gibt es nichts zu retten. Hier stehen Mutter, Tochter, Hund und Chef und seine Leiche!
Nun aber steigt auf einer Geige jählings himmelan ein Lauf, der seinerseits im Baß begann … Die nächste Nummer: „Jacob auf der Eiche.“ Humor! Man lacht! Wes Auge blieb da trocken?! Die Hose – denken Sie – zer–hi–zerriß!
Vergessen ist die Tränenkümmernis und jene Totenglocken … Doch jetzt erblick ich einen Fürsten oben, der weiht mit seinem Helmbusch etwas ein – ja, sollt dies wirklich Herzog Albrecht sein?
Und kurz und gut: Hier fühl ich mich erhoben!
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:16 von 2rhyme
Autor: Kurt Tucholsky
Quelle: de.wikisource.org
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