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Frau Sehnsucht (Andere Gedichte)

Frau Sehnsucht.

Kam Frau Sehnsucht still heran,
Sah mich an.

Sass an meines Bettes Ende,
Glühend wichen rings die Wände –

Und sie hob die bleichen Hände,

Hob sie durch die schwarze Nacht,
Sanft und sacht.

Und mich würgten tausend Schlangen,
Wühlten mir um Stirn und Wangen –

Und die Cello-Töne klangen,

Klangen zitternd, Stich um Stich,
Und sie strich:

»Horch, horch auf … Die Palmen schauern!
»Wo die grauen Zelte trauern,

»Braune Leoparden lauern,

»Geht ein Flüstern … Dämmerfahl
»Bebt mein Thal.

»Wo sich bunte Mädchen wiegen,
»Wilde Sterne flackern, fliegen,

»Leuchtend in den Teichen liegen,

»Bebt mein Land und lockt mein Sang
»Nächtelang.

»Horch, horch auf … die Stunden gleiten –
»Und du siehst in Dämmerweiten

»Venus, meine Fürstin, schreiten …

»Und sie winkt mit bleichem Kranz,
»Winkt zum Tanz.

»Und du hörst die Quellen klingen,
»Leise knospen dir die Schwingen,

»Lass uns tanzen, tanzen, springen –

»Kling und Klang … den schönsten Lauf
«Spiel ich auf …«

Also spielt sie Tage, Wochen,
Dass mir wild die Pulse pochen,

Spielt wohl, bis mein Herz gebrochen, –

Und Frau Venus, bleich und nackt,
Schlägt den Takt.

Anton Lindner.

Eingetragen am 08.11.2011 09:33:55 von 2rhyme
Autor: Anton Lindner
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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