An den gefangenen Dicaeus (Andere Gedichte)
DEr Mutter enger Leib hilt erstlich dich gefangen / Als deine Seele ward in Fleisch vnd Bein verstrickt: So bald du dieses Licht / das süsse Licht erblickt / Bist du in neue Band vnd Kercker eingegangen.
Was ist die grosse Welt? ein Blockhaus / da verlangen[1] / Vnd Angst vnd schwere Noth mit strängen Fesseln drückt / Wenn vns der freye Tod / auß diesen Ketten rückt / Denn nimbt die Grufft in Hafft / die gantz erblaßten Wangen. Was ist die Freyheit doch / die nirgend wird gefunden?
Du bist eh’ als du bist / vnd weil du bist / gebunden; Du bindest dich selb-selbst in Furcht vnd Sorgen eyn. Doch! wer mit schnellem Geist kan durch die Wolcken rennen / Vnd Stricke / die verlust vnd Hoffnung würckt / zutrennen; Kan / ob ihn Diamant gleich bünde / freye seyn. |