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Auf einem Grabe (Andere Gedichte)

Schlof wohl, schlof wohl im chüele Bett!
De ligsch zwor hert uf Sand und Chies;
doch spürts di müede Rucke nit.
     Schlof sanft und wohl!

Und ’s Deckbett lit der, dick und schwer

in d’ Höcht gschüttlet, uffem Herz;
Doch schlofsch im Friede, ’s druckt di nit.
     Schlof sanft und wohl!

De schlofsch und hörsch mi Bhütdi Gott,

de hörsch mi sehnli Chlage nit.

Wärs besser, wenn de ’s höre chönntsch?
     Nei, weger nei!
 
O ’s isch der wohl, es isch der wohl!
Und wenni numme by der wär,

se wär scho alles recht und gut.

     Mer toltenis!

De schlofsch und achtisch ’s Unrueih nit
in Chilche-Thurn di langi Nacht,
und wenn der Wächter Zwölfi rüeft

     im stille Dorf.


Und wenns am schwarze Himmel blitzt,
und Gwülch an Gwülch im Donner chracht
se fahrtder ’s Wetter über’s Grab,
     und weckt di nit.

Und was di früeih im Morgeroth

bis spot in d’Mittnacht bchümmert het,
Gottlob, es ficht di nümmen a
     im stille Grab.
 
Es isch der wohl, o ’s isch der wohl!

und alles was de glitte hesch,

Gottlob und Dank, im chüele Grund
     thuts nümme weh.
 
Drum, wenni numme by der wär,
se wär io alles recht und gut;

iez sitzi do, und weiß kei Trost

     mi’m tiefe Schmerz.

Doch öbbe bald, wenns Gottswill isch,
se chunnt mi Samstig z’oben au,
und druf, se grabt der Nochber Chlaus

     mir au ne Bett.


und wenni lig, und nümme schnuuf,
und wenn sie ’s Schloflied gsunge hen,
se schüttle sie mer ’s Deckbett uf,
     und – Bhütdi Gott!

I schlof derno so sanft wie du,

und hör’ im Chilch-Thurn ’s Unrueih nit!
mer schlofe, bis am Sunntig früeih
     der Morge thaut.

Und wenn emol der Sunntig tagt,

und d’Engel singe ’s Morgelied,

se stöhn mer mit enanderno uf,
     erquickt und gsund.
 
Und ’s stoht e neui Chilche do,
hel funklet sie im Morgeroth.

Mer göhn, und singen am Altar

     ’s Hallelujah!



Eingetragen am 08.11.2011 09:33:02 von 2rhyme
Autor: Johann Peter Hebel
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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