An mein Täubchen (Andere Gedichte)
Geh trautes liebes Täubchen du Zu Minna meiner kleinen, Und was ich sag, das thu, das thu Bei Minna meiner kleinen.
Siehst du zwei Augen himmelblau Die sanft von Sehnsucht glühen, Und Wangen, die gleich Rosenthau In Frühlingsanmuth blühen; Lacht aus den Bliken Himmelsruh
Und holde Engelreine, O Täubchen, trautes Täubchen du, ’S ist Minna meine kleine! Nun fliehe zärtlich schmeichelnd hin Der kleinen liebzukosen,
Und lisple sanft in Seufzergen Durch Düfte junger Rosen. „Ich bin ein Täubchen jung und zart Aus Zypris Myrtenhayne, Bin auch gar freundlich, frommer Art,
Heiß die verliebte kleine. „Ein Täubchen liebt mich, schöner ist Kein Täubchen in dem Hayne, Scherzt, tändelt, nikt und pikt und küßt, Heißt der verliebte kleine.
„So fließet unser Dasein hin Wie Wonnethränchen süße, Süß wie ein Wollustseufzergen Im Taumel trunkner Küsse.„ Dann flattre zärtlich um sie her
Wie Rosenblüthchen schwirre In bangem süßen Krais umher Und liebeseufzend girre, Bis sich die liebetrunkne Brust Von sanfter Ahnung hebet,
Und schon geheimer Liebe Lust Im bangen Busen bebet. Dann flieh ich, zitternd fliehe ich Zur kleinen Liebewarmen, Ach Minna, Minna höre mich!
Ich sterb in deinen Armen.
X. |