Totenklage (Andere Gedichte)
Totenklage. I. Auf den Grabstein meines Bräutigams. In meinem Herzen steht dein Bild, Dein Name klingt durch meine Lieder Trotz Tod und Trennung nah ich mild Zu deinem Grab mich liebend wieder:
Denn zweier Seelen reine Harmonie Trennt selbst des Todes schriller Mißton nie. II. Gebet am Grabe. Du gabst ihn mir – du hast ihn mir genommen, Du ew’ger Gott, der unser Schicksal lenkt, Mit ihm ward mir das höchste Glück geschenkt
Und nun ist mir das tiefste Leid gekommen. Ich frage wohl: wie soll ich noch ertragen Das Leben, das nun öde vor mir liegt Seit ihn des Todes dunkle Macht besiegt Und all umsonst mein Sehnen und mein Klagen?
Und doch – ob alle Hoffnungen versanken Erinn’rung bleibt mir an die Seligkeit, Die nur der Liebe süße Macht verleiht – Und dafür muß ich selbst in Thränen danken.
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:09 von 2rhyme
Autor: Louise Otto
Quelle: de.wikisource.org
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