Kleines Volk (Andere Gedichte)
Kleines Volk. In einem Pißpott kam er geschwommen, Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein. Und als er nach Rotterdam gekommen, Da sprach er: „Juffräuken, willst du mich freyn?
„Ich führe dich, geliebte Schöne, Nach meinem Schloß, in’s Brautgemach; Die Wände sind eitel Hobelspäne, Aus Häkerling besteht das Dach. „Da ist es so puppenniedlich und nette,
Da lebst du wie eine Königin! Die Schaale der Wallnuß ist unser Bette, Von Spinnweb sind die Laken drin. „Ameisen-Eier gebraten in Butter Essen wir täglich, auch Würmchengemüs,
Und später erb’ ich von meiner Frau Mutter Drei Nonnenfürzchen, die schmecken so süß.
„Ich habe Speck, ich habe Schwarten, Ich habe Fingerhüte voll Wein, Auch wächst eine Rübe in meinem Garten,
Du wirst wahrhaftig glücklich sein!“ Das war ein Locken und ein Werben! Wohl seufzte die Braut: ach Gott! ach Gott! Sie war wehmüthig, wie zum Sterben – Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.
Sind Christenleute oder Mäuse Die Helden des Lieds? Ich weiß es nicht mehr. Im Beverland hört’ ich die schnurrige Weise, Es sind nun dreißig Jahre her.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:16 von 2rhyme
Autor: Heinrich Heine
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org
|