Zwei Lieder aus der Fremde (Andere Gedichte)
Zwei Lieder aus der Fremde. 1. Wie möchten meine Lippen gerne Den süß gewohnten Nachtgruß bieten, Dir deine frommen Augensterne Zu schließen jetzt mit Kussesblüthen. Wie möchten dich die Arme tragen, An meine Brust dich stille schmiegen Dir deines Herzens Liebeschlagen Jn sel’ge Ruhe einzuwiegen: Wie möcht ich dann am Bette knieen, In deinem Anschaun mich verlieren Bis Sternenklänge nieder ziehen Zu dir die heil’gen Träume führen! Doch Alles, Alles ist mir ferne, Die Arme breiten sich in’s Leere, Die Lippe grüßt nur nächt’ge Sterne, Der Blick erstirbt im luft’gen Meere. 2. Sonne küßt die Bergesspitzen Scheidend noch mit glühem Kuß, Vöglein in den grünen Sitzen Singet ihr den Abschiedsgruß. Blümlein schließen ihre Augen Bergen ihren lichten Strahl, Aus dem ew’gen Lichtmeer tauchen Andre auf am Himmelssaal. Sonne, Sonne hast geküsset Mich noch nicht mit glühem Mund, Vöglein, Vöglein hast gegrüßet Mich noch nicht zur Scheidensstund’: Blümlein, Blümlein habt gesehen Nicht zu mir noch liebeshell, Sterne, Sterne dürft nicht geben Auf zum Himmel schon so schnell. - Aber Blümlein, Vöglein, Sonnen Haben meines Rufs nicht Acht, Ohne Gruß ist mir zerronnen Alles schon in stille Nacht.
Hornthal.
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:45 von 2rhyme
Autor: Johann Peter von Hornthal
Quelle: de.wikisource.org
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