Ideal und Wirklichkeit (Andere Gedichte)
Ideal und Wirklichkeit von Theobald Tiger In stiller Nacht und monogamen Betten denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt. Die Nerven knistern … Wenn wir das doch hätten, was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange das, was du willst – und nachher kriegst dus nie … Man möchte immer eine große Lange, und dann bekommt man eine kleine Dicke – Ssälawih –!
Sie muß sich wie in einem Kugellager in ihren Hüften biegen … groß und blond. Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager … wer je in diesen Haaren sich gesonnt … Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie … Man möchte immer eine große Lange, und dann bekommt man eine kleine Dicke – Ssälawih –! Man möchte eine helle Pfeife kaufen
und kauft die dunkle – andere sind nicht da. Man möchte jeden Morgen dauerlaufen und tut es nicht … Beinah … beinah … Wir dachten unter kaiserlichem Zwange an eine Republik – und nun ists die –!
Man möchte immer eine große Lange, und dann bekommt man eine kleine Dicke – Ssälawih –!
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:06 von 2rhyme
Autor: Kurt Tucholsky
Quelle: de.wikisource.org
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