Unbefangen (Andere Gedichte)
Unbefangen. Ich bin ein Mädchen, fein und jung, Und bin gottlob noch frei; Ich weiss nichts von Romanenschwung Und hass’ Empfindelei.
Leicht fliesst mein Blut. Ich liebe Scherz, Ich liebe Sang und Tanz. Mein Reichtum ist ein frohes Herz, Mein Schmuck ein Blumenkranz. Ich schlage nicht aus Evens Art,
Leichtgläubig, eitel, schwach; Und Neugier, liebe Neugier, ward Mein Erbteil siebenfach. Auch flieh’ ich nicht der Männer Spur. Mir sagte die Mama:
Wir armen Mädchen wären nur Um ihretwillen da. Drum schleicht in meinen schlichten Sinn Kein blöder Stolz sich ein. Wohl mir, dass ich ein Mädchen bin!
Lasst Andre Engel sein! Friedr. Wilh. Gotter. (1746–1796.)
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:12 von 2rhyme
Autor: Friedrich Wilhelm Gotter
Quelle: de.wikisource.org
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