Das Elend (Andere Gedichte)
Das Elend. Und als kein Geld mehr war im Schrein, Trat rasch das blasse Elend ein Und hockte lauened voller Gier Sich auf die Dielen nah’ der Tür.
Da sagt der kranke Mann zum Sohn: „Geh, Franz, und jag’ das Ding davon!“ Das Elend aber kichernd spricht: „Schlag immer zu, mich triffst du nicht!“ Und als der Knabe ihm gedroht,
Nahm es ihm fort das letzte Brot; Er schrie vor Hunger auf im Schmerz, Da griff das Elend ihm ans Herz. Die Mutter ruft der Mann voll Graus: „Versuch’s, treib du das Ding hinaus!“
Das Elend aber kichernd spricht: „Schlag immer zu, mich triffst du nicht!“ Und als das Weib dem Elend nah, Sie vor dem Haus das Wasser sah; Das Elend bot ihr Strick und Stein
Und wies den Weg ihr: „Da hinein!“ Da stöhnt der Mann der Tochter zu: „Geh, Grete, nun versuch’s auch du““ Das Elend, diesmal grinsend spricht’s: „Komm immer her, ich tu’ dir nichts““
Und als die Maid zum Elend kam, Das Elend seid’ne Kleider nahm Und zog sie an dem Mägdelein Und führte sie zur Stadt hinein Und gab ihr Geld und Glanz und Pracht.
Das blonde Gretel kreischt und lacht! Das Elend aber spricht zu ihr: „Lach’ nicht zu früh, ich bleib’ bei dir!“
Leo Heller.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:08 von 2rhyme
Autor: Die zehnte Muse
Quelle: de.wikisource.org
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