Regennacht (Andere Gedichte)
REGENNACHT Der Tag ist futsch. Der Himmel ist ersoffen. Wie falsche Perlen hängen kleine Stumpen zerhackten Lichts umher. Und machen offen ein wenig Straße, ein paar Häuserklumpen.
Verfault ist alles sonst. Und aufgefressen von schwarzem Nebel, der wie eine Mauer herunterfällt und morsch ist. Und im Pressen bröckelt wie Schutt der Regen – dichter – grauer – Als wollte jeden Augenblick die ganze,
verseuchte Finsternis zusammensinken. Wie eine seltsame ertrunkne Pflanze unten im Sumpf siehst du ein Auto blinken. Die ält’sten Huren kommen angekrochen aus nassen Schatten – schwindsüchtige Kröten.
Dort schleicht eins. Dorten wird ein Schein erstochen. Der Regensturz will alles übertöten … Du aber wanderst durch die Wüsteneien. Dein Kleid hängt schwer. Durchnäßt sind deine Schuhe. Dein Auge ist verrückt von Gier und Schreien.
Und dieses treibt dich – und du hast nicht Ruhe: Vielleicht erscheint inmitten düstrer Feuer der Teufel selbst in der Gestalt des Schweines. Vielleicht geschieht etwas ganz ungeheuer Blödsinniges, Brutales, Hundsgemeines.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:49 von 2rhyme
Autor: Alfred Lichtenstein
Quelle: de.wikisource.org
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