Die rote Fahne (Andere Gedichte)
Die rote Fahne Inmitten all der bunten Fahnen, Die auf der weiten Erde wehn, Und die auf blutgetränkten Bahnen Voraus den Sturmkolonnen gehn,
Von denen jede mahnt an Leichen Und an der Schlachten grimme Not Erhebt sich als der Eintracht Zeichen Das schlichte, warme, heil’ge Rot. Nur dieses Banner mahnt hienieden
In all der Bitterkeit und Qual Mit seinem Rauschen an den Frieden Und an ein reines Ideal. Nur dieses Banner will vergießen Kein Blut auf diesem Erdenrund,
Nur dieses Banner mahnt, zu schließen Der Völker ew’gen Bruderbund. Von allem Falschen, allem Bösen, Von Geistesnacht und Kettendruck Will dieses Banner euch erlösen
Mit seines Ölzweigs mildem Schmuck. Ihr solltet jubelnd es begrüßen Als Kämpfer für der Menschheit Wohl – Und tretet zornig es mit Füßen, Als wär’s ein höllisches Symbol!
Doch wär’t ihr noch so stark und mächtig Und noch so fest in eurem Wahn – Durchlaufen wird es stolz und prächtig Trotz alledem die steile Bahn, Und wo des Abscheus Flüche regnen
Auf seiner Träger treuen Bund, Da werden einst es dankbar segnen Die Völker wie aus einem Mund. Wir haben in den Grund getrieben Des dreimal heil’gen Banners Schaft
Und stehn zu ihm mit heißem Lieben, Mit Zuversicht und stolzer Kraft. Denn wenn die andern all vergehen Und unsrer Feinde Macht zerschellt, Wird unser rotes Banner wehen
Als Völkerhort in aller Welt.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:41 von 2rhyme
Autor: Rudolf Lavant
Quelle: de.wikisource.org
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