Abstecher: Reichenbach im Vogtland (Andere Gedichte)
ABSTECHER: REICHENBACH IM VOGTLAND Es sang sich ein Lied in der Nacht. Da wurden zwei Bürger in Reichenbach Im Vogtlande wach. Was wollte ich sonst in dieser Stadt
Als nur meine Fahrt unterbrechen; Frug: ob sich hier ein Wirtshaus hat, Wo Leute um die Zeit noch zechen. Am Himmel standen Zeichen. Warum – so hatte ich mir gedacht –
Soll Reichenbach in dieser Nacht Nicht Guatemala gleichen? Was geht mich Guatemala an, Wenn ich daselbst nicht bin. – Stieg aus. Bereute das. Doch ach:
Da flog mein Zug schon weiter hin. Und ich stand nachts in Reichenbach. Vielleicht erlebe ich Rübezahl, Den Ollen!? Doch sicher bin ich heute einmal
Für jedermann verschollen. Aussteigen plötzlich, besonders noch spät, Das kann ich jedem empfehlen.
Er braucht ja, wie sein Leben vergeht, Gerade nicht Reichenbach wählen. –
Es klang ein Gesang wie Männerverein Und brachte Dachrinnen zum Schmelzen Und roch so nach Wein. Da trat ich hinein Und kam mir dort vor wie Lord Nelson. Im Seichtlärm eines Stammlokals
Der Honoratioren Im Stile Anno dazumals Beneugiert und verloren – – – Gott segne die Azoren!
Eingetragen am 08.11.2011 09:32:57 von 2rhyme
Autor: Joachim Ringelnatz
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