Spätherbst in Venedig (Andere Gedichte)
SPÄTHERBST IN VENEDIG Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder, der alle aufgetauchten Tage fängt. Die gläsernen Paläste klingen spröder an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt
der Sommer wie ein Haufen Marionetten kopfüber, müde, umgebracht. Aber vom Grund aus alten Waldskeletten steigt Willen auf: als sollte über Nacht der General, des Meeres die Galeeren
verdoppeln in dem wachen Arsenal, um schon die nächste Morgenluft zu teeren mit einer Flotte, welche ruderschlagend sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend, den großen Wind hat, strahlend und fatal.
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:04 von 2rhyme
Autor: Rainer Maria Rilke
Quelle: de.wikisource.org
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