Belauschte Frau (Andere Gedichte)
Belauschte Frau Doch ihr Gesicht, Das sah ich nicht. Nur Beine, Rock, gebeugten Rücken, Ein nasses Stück vom Schürzenhang.
Das alles lebte sich beim Bücken Und Wenden unterm Küchenlicht. Ich aber stand im dunklen Gang, Sah nach den unbewachten Beinen Unter des hochgerutschten Rockes Saum.
Zwei sichre Arme dachte sich mein Traum. Nur ihr Gesicht, das sah ich nicht.
Doch etwas war, als wäre es zum Weinen. Kein Laut, kein Wort. – Es ist auch nichts Zunennendes gewesen.
Ich aber weiß: Als ich den Gang verließ, Schlich ich ganz innig leise fort, Und war betrübt, als ich doch einen Besen Umstieß.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:05 von 2rhyme
Autor: Joachim Ringelnatz
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org
|