Da hab’ ich viel blasse Leichen (Andere Gedichte)
Da hab’ ich viel blasse Leichen Beschworen mit Wortesmacht; Die wollen nun nicht mehr weichen Zurück in die alte Nacht.
Das zähmende Sprüchlein vom Meister Vergaß ich vor Schauer und Graus, Nun zieh’n die eig’nen Geister Mich selber in’s neblichte Haus. Laßt ab, Ihr finstren Dämonen!
Laßt ab, und drängt mich nicht! Noch manche Freude mag wohnen Hier oben im Rosenlicht. Ich muß ja immer streben Nach der Blume wunderhold;
Was bedeutet’ mein ganzes Leben, Wenn ich Sie nicht lieben gesollt? Ich möcht sie nur einmal umfangen, Und pressen an’s glühende Herz! Nur einmal die Lippen und Wangen
Küssen mit sel’gem Schmerz. Nur einmal aus ihrem Munde Möcht’ ich hören ein liebendes Wort, – Alsdann wollt’ ich folgen zur Stunde Euch, Geister, zum finstern Ort.
Die Geister haben’s vernommen, Und nicken grausiglich. Feins Liebchen, nun bin ich gekommen; Feins Liebchen, liebst du mich?
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:07 von 2rhyme
Autor: Heinrich Heine
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org
|