Der Humorist singt (Andere Gedichte)
Der Humorist singt Von Theobald Tiger Fährt in Berlin die Straßenbahn, dann ist sie proppenvoll. Was da mit dir, o Mensch, getan wird, das ist einfach doll.
Man rüttelt dich, man schüttelt dich; man drängt dich so man engt dich so – In einen Wagen gehen glatt
zweihundert Menschen rein … Wer ihn früher nicht gesehen hat, der denkt, das muß so sein –! New York sitzt an der Panke Strand. Es kauft uns arm der Gent.
Er kriegt den ganzen Hektar Land für sechseinhalben Cent. Die Börse winkt. Valuta sinkt. Wirf weg die Mark!
Was soll der Quark! Am Abend steht im Tageblatt: „Der Geldwert ist so klein …“ Wer ihn früher nicht gesehen hat, der denkt, das muß so sein –!
Am Tische sitzt Herr Helfferich. (Ab stehen seine Ohren.) Er schimpft und schilt gar fürchterlich, weil wir den Krieg verloren. Wie er enthüllt
und schneidig brüllt! Pfui Politik der Republik! „Die neuen Herrn sind mau und matt!“ So hörst du laut ihn schrein …
Wer ihn früher nicht gesehen hat, der denkt, das muß so sein –! November Achtzehn schlug die Uhr zwölfmal in deutschen Landen. Die Nationalen hörtens nur,
als sie im Nu verschwanden. Nun sind sie ja all wieder da. Es kam so weit im Lauf der Zeit.
In jedem Dorf, in jeder Stadt, da pöbeln sie allein … Wer sie früher nicht gesehen hat, der denkt, das muß so sein –!
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:15 von 2rhyme
Autor: Kurt Tucholsky
Quelle: de.wikisource.org
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