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Morgenlied (Eichendorff) (Andere Gedichte)

 Morgenlied.

Ein Stern still nach dem andern fällt
Tief in des Himmels Kluft,
Schon zucken Strahlen durch die Welt,
Ich wittre Morgenluft.

In Qualmen steigt und sinkt das Thal;

Verödet noch vom Fest,
Liegt still der weite Freudensaal,
Und todt noch alle Gäst’.

Da hebt die Sonne aus dem Meer

Erathmend ihren Lauf:

Zur Erde geht, was feucht und schwer,
Was klar, zu ihr hinauf.

Hebt grüner Wälder Trieb und Macht
Neurauschend in die Luft,

Zieht hinten Städte, eitel Pracht,

Blau’ Berge durch dm Duft.

Spannt aus die grünen Tepp’che weich,
Von Strömen hell durchrankt.
Und schallend glänzt das frische Reich,

So weit das Auge langt.


Der Mensch nun aus der tiefen Welt
Der Träume tritt heraus,
Freut sich, daß alles noch so hält,
Daß noch das Spiel nicht aus.

Und nun geht’s an ein Fleißigseyn!

Umsumsend Berg und Thal,
Agiret lustig Groß und Klein
Den Plunder allzumal.

Die Sonne steiget einsam auf,

Ernst über Lust und Weh

Lenkt sie den ungestörten Lauf,
Zu stiller Glorie. –

Und wie er dehnt die Flügel aus,
Und wie er auch sich stellt:

Der Mensch kann nimmermehr hinaus

Aus dieser Narrenwelt.



Eingetragen am 08.11.2011 09:34:33 von 2rhyme
Autor: Joseph von Eichendorff
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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