Am Sarge eines jungen Mädchens (Andere Gedichte)
Am Sarge eines jungen Mädchens. Myrtenlaub im gold’nen Haare, Unter Liljen kühl und mild, Liegst du lächelnd auf der Bahre, Stummes, engelkeusches Bild!
Nie hat eines Jünglings Kosen Diesen zarten Mund berührt, Selbst der Tod hat seine Rosen Nur in scheuem Kuß entführt. Ach, dein Leben floß in Frieden,
Ohne Leid und ohne Haß, – Leis bist du hinweggeschieden, Wenig Augen werden naß. Und wie dieser Glocke Schwingen, Das zum frühen Grab dich ruft,
Wird dein Name bald verklingen Spurlos in des Himmels Luft. Deines reinen Leibes Bette Zeichnet kein Gedächtnißstein, Gras umwallt die öde Stätte,
Und die Winde säuseln drein. Ach, das Holde, fern dem Ruhme, Stirbt wie Frühlingsmorgenroth, Und des Lebens zart’ste Blume Blühet stille in den Tod.
Eingetragen am 08.11.2011 09:32:58 von 2rhyme
Autor: Wilhelm Hertz
Quelle: de.wikisource.org
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