Reklame (Andere Gedichte)
REKLAME Ich wollte von gar nichts wissen. Da habe ich eine Reklame erblickt, Die hat mich in die Augen gezwickt Und ins Gedächtnis gebissen.
Sie predigte mir von früh bis spät Laut öffentlich wie im stillen Von der vorzüglichen Qualität Gewisser Bettnässer-Pillen. Ich sagte; „Mag sein! Doch für mich nicht! Nein, nein!
Mein Bett und mein Gewissen sind rein!“ Doch sie lief weiter hinter mir her. Sie folgte mir bis an die Brille. Sie kam mir aus jedem Journal in die Quer Und säuselte: „Bettnässer-Pille.“
Sie war bald rosa, bald lieblich grün. Sie sprach in Reimen von Dichtern. Sie fuhr in der Trambahn und kletterte kühn Nachts auf die Dächer mit Lichtern. Und weil sie so zähe und künstlerisch
Blieb, war ich ihr endlich zu Willen. Es liegen auf meinem Frühstückstisch Nun täglich zwei Bettnässer-Pillen.
Die ißt meine Frau als „Entfettungsbonbon“. Ich habe die Frau belogen.
Ein holder Frieden ist in den Salon Meiner Seele eingezogen.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:49 von 2rhyme
Autor: Joachim Ringelnatz
Quelle: de.wikisource.org
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