Meine Nachbarin (Andere Gedichte)
Meine Nachbarin. Meine Nachbarin ist lange blind Und hat nicht lang zu leben; Ihre Tochter trägt ein ledig Kind, Weiss nicht, wem Schuld zu geben.
Das katzebalgt nun Tag um Tag, Und schimpft sich um die Wette; Für Scheltwort Scheltwort, Schlag für Schlag – Die reine Bettlermette. Dazwischen wächst ein junges Blüh’n –
Man möcht’ es Sumpfdost heissen: – Die Wangen rot, die Lippen glüh’n, Die dunkeln Augen gleissen. Noch fliesst ein Strahl des reinen Lichts Um ihre helle Stirne –
Noch weiss sie nichts, noch ahnt sie nichts, Und lacht schon wie die Dirne … J. J. David.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:28 von 2rhyme
Autor: Jakob Julius David
Quelle: de.wikisource.org
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