Menschliches Elende (Andere Gedichte)
WAs sind wir Menschen doch? ein Wohnhaus grimmer Schmertzen. Ein Ball deß falschen Glücks / ein Irrlicht dieser Zeit. Ein Schauplatz herber Angst / besetzt mit scharffem Leid / Ein bald verschmeltzter Schnee vnd abgebrante Kertzen.
Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwätz vnd Schertzen. Die vor vns abgelegt deß schwachen Leibes Kleid Vnd in das todten-Buch der grossen Sterbligkeit Längst eingeschrieben sind / sind vns auß Sinn vnd Hertzen. Gleich wie ein eitel Traum leicht auß der acht hinfällt /
Vnd wie ein Strom verscheust / den keine Macht auffhält: So muß auch vnser Nahm / Lob Ehr vnd Ruhm verschwinden / Was itzund Athem holt / muß mit der Lufft entflihn / Was nach vns kommen wird / wird vns ins Grab nach zihn Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:28 von 2rhyme
Autor: Andreas Gryphius
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