Untreue (Hertz) (Andere Gedichte)
Untreue. Das war der König Gundobald, Der heischt’ sein lichtbraun Roß, Wollt’ reiten über Moor und Wald Nach seiner Frauen Schloß.
Und wie er kam zum Wiesenthal, Da rauschten die Erlen so leis, Und über dem See im Mondenstrahl Tanzten die Elfen im Kreis. Sie sangen süß, sie sangen trüb,
Ihn bannt es mit Gewalt: „Wo ließest du dein erstes Lieb, O König Gundobald? Reit’ nicht vorbei an Schilf und Ried! Es ist ein böser Ort;
Wir singen von fern’ ein Schlummerlied, Dein Liebchen schlummert dort.“ Dem König wird es heiß und kalt, Er schlägt und spornt sein Roß. „Glück auf den Weg, Herr Gundobald,
Nach deiner Frauen Schloß!“ Und wie er kam vor Schlosses Thor, Da traf er fremden Schwarm; Da trat sein stolzes Lieb hervor In fremden Ritters Arm.
Wie rückt den Schild Herr Gundobald! Es hebt sich ehrner Drang. „Ich komm’ euch wohl am Fest zu bald Mit Tanz und Hochzeitsang?“ Da dröhnt sein Schwert, da sprüht das Blut,
Da stürzt der fremde Mann; Er aber schlägt mit wildem Muth Sich mitten durch den Bann. – Das war der König Gundobald, Der ritt so müd’ und wund,
Ritt schweigend über Moor und Wald Hinab zum Wiesengrund. Und wie er kam durch Schilf und Ried Zum mondbestrahlten See, Da tönt der Elfen Schlummerlied,
Da wird das Herz ihm weh’. Er sinkt vom Roß. – „Willkomm, mein Lieb! Wie blutig und blaß bist du?“ – Da singt’s so süß, da singt’s so trüb’, Singt ihm das Herz in Ruh’.
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:13 von 2rhyme
Autor: Wilhelm Hertz
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