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Der Gewinn des Lebens (Andere Gedichte)

  
          Der Gewinn des Lebens.

             Nach dem Englischen.

     Am kühlen Bach, am luftgen Baum
Träum’ ich nun meines Lebens Traum;
Und mag nicht wissen, ob die Welt,
Wie ich mir träume, sei bestellt:

Denn ach! ist der wohl mehr beglückt,

Der, daß sie nicht so sei, erblickt?

     Ich ging einmal der Weisheit nach
Und hörte, was die Weisheit sprach.
Sie sprach so Viel- und Mancherlei,

Was einst die Welt gewesen sei

Und jetzt nicht ist und sehr verirrt
Wohl nimmer, nimmer werden wird.

[55]

     Ich grämte mich und ging im Gram,
Als mir der Ruhm entgegen kam.

Dir, sprach er, Sohn, dir ist beschert,

Zu räumen weg, was dich beschwert.
Ich räumte, wollte vor mich sehn;
Allein die Felsen blieben stehn.

     Ermattet, ohne Gram und Zorn

Sucht’ ich nun Rosen unterm Dorn.

Die Rosen, ach! entfärbten sich
Und ihre Dornen stachen mich -
Zwei Knöspchen unter allen hier
Lieb’ und die Freundschaft blieben mir.

[56]
     Am kühlen Bach, am luftgen Baum

Träum’ ich nun meines Lebens Traum.
Die beiden Knöspchen pfleg’ ich mir
Und weihe sie, o Sonne, Dir!
Komm, kühler Bach, erquicke sie!

Komm, süßes Lüftchen, stärke sie!

Eingetragen am 08.11.2011 09:33:14 von 2rhyme
Autor: Johann Gottfried Herder
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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