Die Stille (Andere Gedichte)
Die Stille Hörst du, Geliebte, ich hebe die Hände – hörst du: es rauscht … Welche Gebärde der Einsamen fände sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider und auch das ist Geräusch bis zu dir, hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder … … Aber warum bist du nicht hier. Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar; unvernichtbar drückt die geringste Erregung in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein. Auf meinen Athemzügen heben und senken die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke, und ich erkenne die Handgelenke entfernter Engel. Nur die ich denke: Dich seh ich nicht.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:42 von 2rhyme
Autor: Rainer Maria Rilke
Quelle: de.wikisource.org
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