Vor uns her trottet der Führer (Andere Gedichte)
1. Vor uns her Trottet der Führer: schwatzend Und wiederkauend, ein kläglich-drolliger Staarmatz, Den Noth und Hunger Weisheit gelehrt!
Ich aber – Ich lausch’ ihm nicht: was sollen mir Namen, wo Das Schicksal riesengroß sich eingezeichnet, Und lapidar der Tod Sein schwarzes „Amen!“ schrieb in’s blühende Leben?
Sein ist Noch heut’ Pompeji – und wenn auch Dem Licht gegeben – sein ist’s Und seine Medusenzüge trägt’s, Die herzbeklemmenden, wahnsinnstarren,
Die fürchterlichen Züge des Todes! Ihr habt ihm’s Vom Herzen geraubt und dem Schooß der Verwesung entrissen, Mit wühlender Neugier habt ihr’s Emporgehoben und sein Riesenwerk
In eurer Sprache getauft, Und seine Riesenthat Mit euren Spaten besudelt – Ihr Thoren – ihr Pygmäen – und er litt’s! Er litt es und spie euch wie zum Hohn
Noch Euresgleichen herauf: Vermorschte Kadaver und Entflieh’nde, die um eines Schrittes Breite Wie Bestien gekämpft; Vergessene Götter,
Gestürzte Altäre Und das, worum ihr noch heute kämpft Und mordet, und im Schweiß eures Angesichtes Euch mühen werdet durch alle Zeiten – Brot.... Ihr aber,
Ihr trippelt nun durch seine Ruinen, Und staunt, Und schaudert, Und fühlt nur Ein’s nicht: seinen göttlichen Hohn! Und deutet nur Ein’s euch nicht: das trauernde Mahnen
Der holden Natur, darein ihr dies Zerrbild gestellt, Die mütterlich Den Tod euch verhüllt und über Die Schrecken der Tiefe die schimmernden Meere gespannt, Mit liebreichem Sonnen-Antlitz
Euren kindischen Hochmuth schaut Und herübergrüßt wie versöhnend Mit dem grünen Sorrent und dem prächt’gen Camaldoli!
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:22 von 2rhyme
Autor: Marie Eugenie Delle Grazie
Quelle: de.wikisource.org
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