Liebeserinnerungen (Lustige Gedichte)
Der alte Minnesänger
Der Ritter steht stolz in seiner Halle, doch ging er vor Jahren schon in die Liebesfalle! Draußen des Königs Mann, drinnen ein Knecht, zieht er statt mit dem Schwert, mit dem Besen ins Gefecht
Er gehört ihr mit Haut und Haar - mit voller Rüstung sogar! Er hatte sie einst auserkoren und ewige Treue ihr geschworen!
Zucht und Ordnung sind des Ritters Pflicht! So gehorcht er also und ziehrt sich nicht! Sie hat ihn zum Ritter ihres Herzens geschlagen, zum Dank muss er sie nun auf Händen tragen!
Küsse, Herr Ritter, den Boden darüber ihr zartes Füßchen schritt, aber pass auf, dass sie Dich dabei nicht versehentlich tritt! Achte darauf den Schlüssel zum Keuschheitsgürtel nicht zu verlegen, denn das käme Euch beiden bei der Liebe sehr ungelegen!
Sag ihr, als ein geringer Minnesänger lass ich sie grüßen, aus dem Staub der Straße zu ihren Füßen! Doch sollst Du ihr meinen Namen nicht nennen , denn wer will schon einen lahmen Ritter kennen?
Das ist der Preis, eine hohe Frouwe zu minnen: Du stehst im Staube und singst hinauf zu den Zinnen. Weht dort ein weißer Schleier? Winkt dir eine zarte Hand? Voll unerfüllter Minne zieht der Sänger einsam durchs Land!
Und ist sie auch die Schönste aller Frauen - nimmer wird mein Auge sie schauen! Fern der hehren Schönen und der stolzen Burg im Bergeswald, siecht der Sänger dahin, die Stimme verstummt, das Herz zerrissen und kalt!
Ihren stolzen Namen sing ich nimmermehr! Stumpf ist mein Blick und lebensleer! Meine Rüstung ist rostig, meine Leier zerbrochen, wo stolz ich einst ritt, komm ich heute gekrochen!
Des Minnesanges bin ich längst überdrüssig. Im Alter ist die holde Minne ja überflüssig! Vom Hengst zum Wallach verschnitten komm ich als alter Narr auf dem Esel geritten!
Eine Träne sich noch aus meinem Auge stahl, die Erinnerung bleibt: Es war einmal!
Rt. Federstilzchen der Kugelblitz aus Spree-Athen, 2018
Eingetragen am 30.08.2022 18:02:19 von Federstilzchen
Autor: Jens Wohlkopf
Quelle: Eigenes Gedicht
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