Die Feien des Ursulenberges (Andere Gedichte)
Die Feien des Ursulenberges. Wenn die Nebel Schleier weben Um Gebirg und Flur, Regt in der Natur Sich ein and’res Leben.
Aus den Blumen, die sich neigen In der Erde Kluft, Vor des Winters Luft, Ihre Seelen steigen. Anzuschau’n wie zarte Weiber
Schweben sie heraus Aus des Berges Haus, Jungfräuliche Leiber. Mit dem Blau der Genziane, Mit der Lilje Glanz,
Mit des Rosenbrands Gluthen angethane; Flattern, wenn sie Lichter sehen, In die Hütten, wo Spinnerinnen froh
Seid’ne Fäden drehen. Setzen an der Mägde Kunkel, Luft’ge Gäste, sich, Spinnen emsiglich Durch der Nächte Dunkel,
Und von ihren Lippen wallen Worte leicht und leis, Gold’ner Sagen Preis, Die behagen Allen. Von des Berges tiefen Spalten,
Wo in ew’ger Nacht In dem kühlen Schacht Blumen Hochzeit halten. Von der Erdengeister Treiben, Fürstlichem Geschlecht,
Und von Gnom und Knecht, Und von Wasserweiben. Und die Spindel rollet Allen Lustig durch die Hand, Bis daß an der Wand
Morgenlichter wallen. Da entschlüpfen schnell die Frauen: An des Bergs Gestein Sind die sel’gen Fei’n Nebeln gleich zu schauen.
Doch der Flachs ist abgesponnen, Und die Spindel ruht, Und ein zehnfach Gut Jede hat gewonnen.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:31 von 2rhyme
Autor: Gustav Schwab
Quelle: de.wikisource.org
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