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Würde der Frauen (Andere Gedichte)

Würde der Frauen.


     Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
     Himmlische Rosen ins irdische Leben,
     Flechten der Liebe beglückendes Band.
     Sicher in ihren bewahrenden Händen

     Ruht, was die Männer mit Leichtsinn verschwenden,

     Ruhet der Menschheit geheiligtes Pfand.

Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft,
Und die irren Tritte wanken

Auf dem Meer der Leidenschaft.

Gierig greift er in die Ferne,
Nimmer wird sein Herz gestillt,
Rastlos durch entlegne Sterne
Jagt er seines Traumes Bild.

     Aber mit zauberisch fesselndem Blicke

     Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,

[187]

     Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
     In der Mutter bescheidener Hütte
     Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,

     Treue Töchter der frommen Natur.


Feindlich ist des Mannes Streben,
Mit zermalmender Gewalt
Geht der Wilde durch das Leben,
Ohne Rast und Aufenthalt.

Was er schuf, zerstört er wieder,

Nimmer ruht der Wünsche Streit,
Nimmer, wie das Haupt der Hyder
Ewig fällt und sich erneut.

     Aber zufrieden mit stillerem Ruhme,

     Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,

     Pflegen sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
     Freier in ihrem gebundenen Wirken
     Reicher, als er in des Denkens Bezirken.
     Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

Seines Willens Herrschersiegel

Drückt der Mann auf die Natur,
In der Welt verfälschtem Spiegel
Sieht er Seinen Schatten nur,
Offen liegen ihm die Schätze

Der Vernunft, der Phantasie,

Nur das Bild auf seinem Netze,
Nur das Nahe kennt er nie.

     Aber die Bilder, die ungewiß wanken
     Dort auf der Flut der bewegten Gedanken,

     In des Mannes verdüstertem Blick,

     Klar und getreu in dem sanfteren Weibe
     Zeigt sie der Seele krystallene Scheibe
     Wirft sie der ruhige Spiegel zurück.

Immer widerstrebend, immer

Schaffend, kennt des Mannes Herz

Des Empfangens Wonne nimmer,
Nicht den süßgetheilten Schmerz,

[189]

Kennet nicht den Tausch der Seelen,
Nicht der Thränen sanfte Lust,

Selbst des Lebens Kämpfe stählen

Fester seine feste Brust.

     Aber wie, leise vom Zephyr erschüttert,
     Schnell die Aolische Harfe erzittert,
     Also die fühlende Seele der Frau.

     Zärtlich geänstigt vom Bilde der Qualen,

     Wallet der liebende Busen, es strahlen
     Perlend die Augen von himmlischen Thau

In der Männer Heerschgebiete
Gilt der Stärke stürmisch Recht,

Mit dem Schwerdt beweist der Scythe,

Und der Perser wird zum Knecht.
Es befehden sich im Grimme
Die Begierden – wild und roh!
Und der Eris rauhe Stimme

Waltet, wo die Charis floh.

     Aber mit sanftüberredender Bitte
     Führen die Frauen den Zepter der Sitte,
     Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
     Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,

     Sich in der lieblichen Form zu umfassen,

     Und vereinen, was ewig sich flieht.

Seiner Menschlickeit vergessen,
Wagt des Mannes eitler Wahn
Mit Dämonen sich zu messen,

Denen nie Begierden nahn.

Stolz verschmäht er das Geleite
Leise warnender Natur,
Schwingt sich in des Himmels Weite,
Und verliert der Erde Spur.

     Aber auf treuerem Pfad der Gefühle

     Wandelt die Frau zu dem göttlichen Ziele,
     Das sie still, doch gewisser erringt,
     Strebt, auf der Schönheit geflügeltem Wagen

[191]

     Zu den Sternen die Menschheit zu tragen,

     Die der Mann nur ertödtend bezwingt.


Auf des Mannes Stirne thronet
Hoch als Königinn die Pflicht,
Doch die Herrschende verschonet
Grausam das Beherrschte nicht.

Des Gedankens Sieg entehret

Der Gefühle Widerstreit,
Nur der ewge Kampf gewähret
Für des Sieges Ewigkeit.

     Aber für Ewigkeiten entschieden

     Ist in dem Weibe der Leidenschaft Frieden;

     Der Nothwendigkeit heilige Macht
     Hütet der Züchtigkeit köstliche Blüthe,
     Hütet im Busen des Weibes die Güte,
     Die der Wille nur treulos bewacht

Aus der Unschuld Schooß gerissen

Klimmt zum Ideal der Mann

[192]

Durch ein ewig streitend Wissen,
Wo sein Herz nicht ruhen kann,
Schwankt mit ungewissem Schritte,

Zwischen Glück und Recht getheilt,

Und verliert die schöne Mitte,
Wo die Menschheit fröhlich weilt.

     Aber in kindlich unschuldiger Hülle
     Birgt sich der hohe geläuterte Wille

     In des Weibes verklärter Gestalt.

     Aus der bezaubernden Einfalt der Züge
     Leuchtet der Menschheit Vollendung und Wiege,
     Herrschet des Kindes, des Engels Gewalt.

SCHILLER.

Eingetragen am 08.11.2011 09:35:42 von 2rhyme
Autor: Friedrich Schiller
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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