Der Käfer (Andere Gedichte)
Der Käfer. Der Chäfer fliegt der Jilge zue, es sizt e schönen Engel dört! er wirthet gwis mit Bluemesaft, und ’s chostet nit vil, hani g’hört.
Der Engel seit: „Was wär der lieb?“ – „Ne Schöpli Alte hätti gern!“ – Der Engel seit: „Sell cha nit sy, sie hen en alle trunke fern.“ „So schenk e Schöpli Neuen i!“ –
„Do hesch eis!“ het der Engel gseit. Der Chäfer trinkt, und ’s schmeckt em wohl, er frogt: „Was isch mi Schuldigkeit?“ Der Engel seit: „He ’s chostet nüt: „Doch richtsch mer gern e Gfallen us,
„weisch was, se nimm das Bluememehl, „und tragmers dört ins Nochbers Hus!“ *)[1] „Er het zwor selber, was er bruucht, „Doch freut’s en, und er schickt mer au „mengmol e Hämpfeli Bluememehl
„mengmol e Tröpfli Morgethau.“ Der Chäfer seit: „Jo frili, io! „Vergelts Gott, wenn de z’friede bisch.“ Druf treit er’s Mehl ins Nochbers Hus, wo wieder so en Engel isch.
Er seit: „I chumm vom Nochber her, „Gott grüeß di, und er schickt der do „au Bluememehl!“ Der Engel seit: „De hättsch nit chönne iuster cho.“ Er ladet ab; der Engel schenkt
e Schöpli guete Neuen i. Er seit: „Do trink eis, wenn de magsch!“ *)[2] Der Chäfer seit: „Sell cha scho sy!“ Druf fliegt er zue si’m Schätzli heim, ’s wohnt in der nöchste Haselhurst.
Es balgt und seit: „Wo blibsch so lang?“ Er seit: „Was chani für mi Durst?“ Jez luegt er’s a, und nimmts in Arm, **)[3] er chüßts, und isch bim Schätzli froh. Druf leit er si ins Todtebett,
Und seit zuem Schätzli: „Chumm bal no!“ Gell Sepli, ’s dunkt di ordeli! De hesch au so ne lustig Bluet. Je, so ne Lebe, liebe Fründ, es isch wohl für e Thierli guet. - ? *) Ausgabe I.
„und tragmers gschwind ins Nochbers Hus!“ - ? *) Ausgabe I.
Er seit: „Chumm, trink eis, wenn de magsch!“ - ? **) Jez stoht er uf, er nimmts in Arm,
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:16 von 2rhyme
Autor: Johann Peter Hebel
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