Der neue Posttarif (Andere Gedichte)
Der neue Posttarif Von Theobald Tiger Will uns die Post nun auch noch steigern? Der Schwager bläst: Trari-trara! Wir könnens ihm wohl kaum verweigern – O Gott, was machen wir denn da?
Das Porto kostet einen Haufen. Ich schrieb ihr täglich, lieb und lind. Wovon soll ich die Marken kaufen? Ach, Ernestine, süßes Kind! Das waren nicht Geschäftspapiere,
auch keine Warenproben nicht. Es war privat. Ich buhlt um ihre Gefälligkeit im Versgedicht. Ich fragt sie, wie und wo sie schliefe – – Sie schwankte zwischen Ja und Nein.
Ich fühlte deutlich: Noch zwei Briefe – und dieses Menschenkind ist dein. Kaputt. Das Porto hats getötet, die Marken rot und grün und braun. Was Amor mal zusammenlötet,
soll Giesberts nicht in Stücke haun. Und auch das Telephon will Zaster? Und extra 1000 (tausend) Mark? Gewiß, der Drahtschwatz ist ein Laster – es bimmelt oft um jeden Quark …
Doch mit den ultrawilden Banden nach rechts und links brauchts keinen Draht; so recht ham wir uns nie verstanden, weil nie uns was verbunden hat. Was soll ich mit der Post mich plagen …
Und Ernestine? Geht das schief? Ich werds ihr einfach mündlich sagen! Aetsch-bätsch – du neuer Posttarif –!
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:19 von 2rhyme
Autor: Kurt Tucholsky
Quelle: de.wikisource.org
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