Kusshunger (Andere Gedichte)
Kusshunger. Ein messenger boy kommt ventre à terre Vor meine Veranda gefegt, Springt ab und hat ein kleines Billet In meine Hand gelegt.
»Bye, bye!« der Bengel jagt wieder fort, Und ich beschaue den Brief. Von Abbie! – Nanu? die schreibt doch nur, wenn Ein wirklich zwingend Motiv. »Kommst du nikt gleik, Ick schiessen mir dot.«
So lese ich konsterniert – »Ein Cab! ein Cab« sonst mordet sie sich – Das Mädel ist exaltiert. Mein Cab rast durch die city hin Zur vierzigsten Strasse hinaus.
»Stop!« brüll’ ich. »Two dollars, Sir« »Yes, all right!« Ich springe flugs in das Haus. Ich eile hastig von Raum zu Raum – Im sitting-room liegt sie vergnügt Auf einen Schaukelstuhl hingehaucht,
Der neckisch wackelt und wiegt. Die Linke hält ihre goldene Uhr, Die Rechte – ich bin erblasst – Die Rechte hat – mit gespanntem Hahn – Einen kleinen Revolver umfasst.
»My sweet heart, what is the matter with you?« Sie blickt auf die Uhrund lacht: »Eight minutes – famos! nur sswei dassu, Dann hätt’ ick mir umgebracht« »Warum denn aber um Himmels Will’n?«
»O nix – ick sehen Dir muss! I love you, my boy, with all my heart! Ick hatte so Hunger auf Kuss!« –
Johannes Cotta.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:18 von 2rhyme
Autor: Die zehnte Muse
Quelle: de.wikisource.org
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