Die Zeit der Rosen (Andere Gedichte)
In den lauen Lenzestagen Wehn im Wald die Lüfte weich; Lerchen singen, Drosseln schlagen; Busch und Baum stehn blüthenreich.
Und der Schwan zieht leise, leise Auf dem Weiher seine Kreise, Dem die Welle silbern schwoll. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen, Wo die Lüfte lauer kosen,
Sprich, was all dein Locken soll?! Und die Jungfrau schön und wonnig. Schlank an Wuchs, an Gliedern fein. Morgenfrisch und lenzessonnig, schreitet leichtgeschürzt waldein.
O, von zwanzig Sommern hangen Gluth und Luft ihr auf den Wangen; Sinnig lacht der Mund dazu. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen Wo die Lüfte lauer kosen.
Sie ist just so schön wie du. Und vom Strauche Ros’ um Rose bricht sie mit der weißen Hand, Mischt sie leise, flicht sie lose, Schlingt darum ein duftig Band,
Küßt sie dann mit heißem Sehnen, Ach! und lächelnd unter Thränen Flüstert seinen Namen sie. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen, Wo die Lüste lauer kosen,
Schwändest, traute, du doch nie! Ernst Ziel
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:44 von 2rhyme
Autor: Ernst Ziel
Quelle: de.wikisource.org
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