Freund und Freund versäumen sich (Andere Gedichte)
FREUND UND FREUND VERSÄUMEN SICH Wollen wir uns vergessen? Weil man an Fremden Geld gewinnt. Indessen die kränkelnde Zeit verrinnt.
Müde und hohler Wird Gleichtagsglück. Denk ich an unsere Hochflut zurück, Dann wird mir wohler. Noch haben wir's, uns zu beschenken,
Zu eifern, wie jedes das andre erfreut. Wollen wir uns so lange bedenken, Bis Lebendes hinter Verstorbnem bereut? Ist doch noch nichts zerstört. — Denke dir: Gestern sang
Ein Nachtkehlchen immerzu. Hab jahrelang keins gehört. — Wie lange singt es? — Wie lang Ist das Leben? Und wo bist du?
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:56 von 2rhyme
Autor: Joachim Ringelnatz
Quelle: de.wikisource.org
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